
Bei der Prozess- und Embodimentfokussierten Psychologie (PEP®) nach Dr. Bohne handelt es sich um eine komplexitätsreduzierte Diagnostik- und Interventionsarchitektur für Coaching, Therapie und Stressmedizin.
PEP® kombiniert Klopftechniken der energetischen Psychologie mit Diagnose- und Interventionsstrategien aus anderen therapeutischen Strömungen.
Dabei ist der PEP®-Prozess an der binokularen Brille („zweiäugiges Diagnostikmodell“) ausgerichtet. Er orientiert sich einerseits an den emotionsverarbeitenden neuronalen Netzwerken (z.B. dem Limbischen System mit der Amygdala) und andererseits an den Kognitionsverarbeitenden neuronalen Netzwerken, z.B. dem Präfrontalen Kortex, der als Schaltzentrale für Impulskontrolle, Planung, Entscheidungsfindung und weitere „höhere Funktionen“ dient.

Die unmittelbare Einflussnahme auf unsere emotionsverarbeitenden neuronalen Netzwerke erfolgt im PEP®-Prozess mit dem Wissen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), die insgesamt 365 Akupunktur-Punkte beinhaltet. Der PEP®-Klopf-Prozess ist auch an dieser Stelle stark komplexitätsreduziert und nutzt 16 Klopf-Punkte an Händen, Gesicht und Oberkörper, die entlang der 12 Hautmeridiane liegen, der sogenannten Leitbahnen der Lebensenergie („Qi“), die spiegelbildlich auf beiden Körperhälften verlaufen.
Durch den Klopf-Prozess können wir eine Selbstwirksamkeitserfahrung machen, indem wir, durch aktives Klopfen, während wir an das belastende Gefühl denken, eine unmittelbare Stressreduzierung erfahren können. Dieser Prozess kann auch präventiv angewendet werden.
Wenn Klopfen (allein) nicht reicht…
An dieser Stelle wird im PEP®-Prozess mittels der sogenannten „Big 5 Lösungsblockaden“ gearbeitet. Die „Big 5 Lösungsblockaden“ stehen für:
- Selbstvorwürfe
- Fremdvorwürfe
- Erwartungen an andere
- Altersregression
- Parafunktionale Loyalitäten
Hinsichtlich des jeweiligen Anliegens dienen diese Lösungsblockaden als Orientierung. Mittels Selbststärkungsinterventionen kann so bspw. auf der Kognitionsverarbeitenden-Neuronalen-Netzwerkebene an einschränkenden Glaubenssätzen und Kognitionen gearbeitet werden. Dies geschieht im gemeinamen Miteinander des Prozesses und wird durch Zuversicht bestärkt. Handelt es sich bei den Anliegen der Gegenwart, die zu einer Terminvereinbarung geführt haben, möglicherweise um Momente, wo ein jüngerer innerer Anteil plötzlich sehr „laut“ ist, kann es darum gehen, genau diesen Prozess aufzudecken.
Wir sprechen in diesem Moment über eine potentielle Altersregression, die bspw. wie folgt aufgegriffen werden könnte:
Auch wenn ich in diesem Moment, wo ich mich so klein fühle, innerlich etwas schrumpfe und nicht die erwachsene Person bin, die ich im Spiegel beobachten kann, achte und schätze ich mich so wie ich bin (oder eine andere Selbstärkungsformulierung, orientiert an den drei menschlichen Autonomiebedürfnissen (Beziehung, Sicherheit und Autonomie) nach Gabriela von Witzleben. Ergänzt werden würde dies mit einem Kraftsatz, der eine positive Resonanz (positives Embodiment) erzeugen muss, erst dann entfaltet er eine entsprechende Wirkung. Diese gemeinsame „Suche“ im Prozess kann mitunter humorvoll sein, was zugleich die nächste Intervention darstellt. Ein Kraftsatz, bezogen auf das obige Beispiel, könnte lauten: Jetzt versüße ich mir mein Leben, wenn ich fortan auch in derartigen herausfordenden Situationen die erwachsene Person bleibe, die ich bin und auf meine Kompetenzen vertraue.
Exkurs: Berührung, Selbstberührung und Klopfen?
Da unser Körper über den Tastsinn jede Berührung unseres Körpers biologisch und psychologisch bewertet, kann genau dieser Tastsinn geeignet sein, eine gewisse Hilfe zur Selbsthilfe zu ermöglichen. Viele Menschen haben vermutlich schon die Erfahrung gemacht, dass eine „wärmende“ Umarmung wohltuend sein kann. Sie kann Sicherheit vermitteln, Trost spenden, vielleicht ein „Sich-Fallen-Lassen“ ermöglichen.

Dass Körperberührungen unmittelbaren Einfluss auf unser Wohlbefinden haben können, ist u.a. biologisch und evolutionär zu erkären. Aus dem äußeren embryonalen Keimblatt (Ektoderm) entwickeln sich später Gehirn, Haut, Hautanhangsgebilde (z.B. Haare, Nägel, …) sowie das Zentrale Nervensystem.
Martin Grunwald, Gründer des Haptik-Labor am Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig, hat sich der Erforschung des menschlichen Tastsinns und seiner Wirkungsweise auf unser Denken, Fühlen und Handeln verschrieben. In seinem Buch „Homo Hapticus – Warum wir ohne Tastsinn nicht leben können“ gibt er interessante Einblicke in seine Forschungsergebnisse, die unter anderem beinhalten, dass sich der Tastsinn bereits ab der siebten Woche – und damit als aller erstes Sinnesorgan überhaupt – zu entwickeln beginnt. Die Entwicklung des Tastsinns beginnt außerdem, noch bevor die Entwicklung aller inneren Organe (ab ca. der 9. Woche, von dort an wird der werdende Mensch als Fötus bezeichnet) abgeschlossen ist. Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt ist der Embryo offensichtlich im Stande, auf Berührungsreize der Umwelt (Hautkontakt bei der Mutter) zu reagieren.
Durch Körperberührungen produzieren Millionen mechanisch senistiver, nur wenige Mikrometer große Rezeptoren, die sich praktisch überall im Körper befinden, kleine Stromstöße, die über ein dichtes Netz aus Nervenfasern über das Rückenmark in verschiedene Hirnregionen gelangen. Treffen die elektrischen Impulssalven auf spezialisierte Nervenzellen, die Signalmolekühle (z.B. das Bindungshormon Oxytocin) gespeichert haben, öffnen sich deren Speicherorte. Die Signalmolekühle können dadurch wachstumsfördernde Prozesse an anderen Zellen auslösen oder gelangen über das Blut an Körperzellen, wo sie ebenfalls Wachstumsprozesse initiieren können.
Viele Hirnregionen verändern ihre neuronale Aktivität, wenn sie in Kontakt mit Oxytocin geraten. Dies hat auch biologische Folgen auf den Körper: die Atemfrequenz wird geringer, der Blutdruck sinkt, die Blutgefäße erweitern sich, durch Stress und Anspannung produzierte Signalmoleküle (u.a. Cortisol) werden verdrängt und die Muskulatur entspannt sich. Auf der psychischen Ebene stellt sich nach all diesen körperlichen und neuronalen Veränderungen ein wahrnehmnbares Gefühl der Entspannung ein.
Ein Stresserleben – abhängig von der Intensität der Ausprägung – kann evolutionär sinnhaft sein, weil es unseren Körper leistungsfähiger machen kann. An dieser Stelle ist zwischen positivem (Eustress) und negativem (Distress) Stress zu unterscheiden. In lebensbedrohlichen Situationen kann uns „Stress“ dabei helfen, den Fokus auf lebenswichtige Bereiche zu lenken, die uns bspw. befähigen, aus gefährlichen Situationen zu flüchten, zu kämpfen oder zu erstarren. Hierzu auch im Bereich Traumaberatung.
